Wolkersdorf 1938

Im September 1938 vertreiben Wolkersdorfer Nationalsozialisten alle Juden und Jüdinnen aus dem Ort.

Im Jahr 1938 lebten in Wolkersdorf über 40 Menschen, die im Deutschen Reich als Juden galten. Die meisten von ihnen betrieben im Ort ein Geschäft oder ein Gewerbe. Einige lebten jüdisch-religiös, andere gehörten der christlichen Religionsgemeinschaft an.

Erste Gewaltaktionen gegen die jüdische Bevölkerung verübten örtliche SA-Männer bereits im März 1938. Unmittelbar nach der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich grölten sie antisemitische Parolen und beschlagnahmten Geld, Wertgegenstände und Autos von jüdischen Einwohnern.

Ab April 1938 mussten die meisten der Wolkersdorfer Juden den genauen Geldwert ihres gesamten Hab und Guts bei den nationalsozialistischen Behörden melden. Es folgte eine Reihe an Maßnahmen, mit denen die Machthaber die jüdischen Bewohner und Bewohnerinnen Wolkersdorfs sozial entwürdigten und wirtschaftlich ruinierten. Dazu zählten Berufsverbote und das von der Ortsgruppenleitung verhängte Verbot, Lebensmittel an Juden zu verkaufen.

Um willkürlichen Enteignungen zuvor zu kommen, verkauften einige der zunehmend Entrechteten ihre Häuser an private Interessenten. Schon diese Privatverkäufe hatten ein Element des Zwanges. Die Situation spitzte sich im September 1938 zu. Örtliche Funktionäre zwangen die verbliebenen Hausbesitzer, ihre Häuser der Gemeinde zu „schenken“. Hausrat und zahlreiche Wertgegenstände wurden enteignet. Anschließend vertrieben die Männer radikal alle in Wolkersdorf lebenden Juden und Jüdinnen nach Wien. Ende September 1938 war Wolkersdorf ein Ort ohne Juden.

Wolkersdorf 1938